Hitzestress bei Milchkühen - So schaffen Sie Abhilfe!

Bericht von Cora Furken
Tierärztin in Niedersachsen

 

Kühe mögen es kühl

Das Temperaturoptimum einer Kuh liegt zwischen 0 und 15 °C.

Kühe haben zwei Schutzmechanismen, um ihre Körpertemperatur konstant zu halten:

 

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  1. Vermehrte Wärmeabgabe. Erreicht wird dieses durch vermehrte Wasseraufnahme sowie durch Erhöhung der Hauttemperatur, Atemfrequenz und Speichel- und Schweißbildung, um die Evaporation (Verdunstung) zu steigern. Auch über Ausscheidungen (Kot und Harn) ist eine Wärmeabgabe möglich.
  2. Reduzierung der eigenen Wärmeproduktion. Dafür werden sämtliche Aktivitäten zurückgefahren: Reduzierung der Futteraufnahme und des Wiederkauens, Verringerung der Milchleistung, sowie verminderte Brunst- und Bewegungsaktivität.

 

Hitzestress unbedingt vermeinden.

Reichen diese Mechanismen nicht aus, um den Wärmehaushalt zu regulieren, und kann die Wärmeabgabe nicht mehr in ausreichendem Maße ausgeglichen werden, kann es zu Hitzestress kommen. Hitzestress wird durch verschiedene Faktoren begünstigt:Außentemperaturen > 25 °C, hohe Luftfeuchtigkeit,

  • zu geringe Luftzirkulation,

  • fehlender Schatten,

  • hohes Körpergewicht und hohe Leistung,

  • Trächtigkeit,

  • Anstrengungen und Aufregung,

  • ungenügende Wasserversorgung oder

  • krankhaft verminderte Hitzetoleranz.

 

Symptome, welche auf Hitzestress hindeuten, sind beispielsweise ein Rückgang der Milchleistung, des Milchfettgehaltes und der Futteraufnahme, eine vermehrte Wasseraufnahme oder eine erhöhte Körpertemperatur. In den kühleren Abendstunden lassen die Symptome je nach Schweregrad nach.


Insgesamt sind hochleistende Milchkühe anfälliger für Hitzestress als niederleistende Tiere, da sie bedingt durch die höhere Futteraufnahme (für höhere Milchleistung) mehr Wärme produzieren.

  

Beeinträchtigung der Tiergesundheit

Durch die vermehrte Atmung und das Schwitzen kann es zu einer Störung des Säure-Basen-Haushaltes der Tiere kommen. Deshalb ist es sehr wichtig, auf eine ausreichende Wasser- und Mineralstoffversorgung zu achten. Darüber hinaus kann die Verdauung der Tiere durch die reduzierte Futteraufnahme sowie verminderte Wiederkauaktivität beeinträchtigt sein. Die Rationsgestaltung sollte überarbeitet und der Energiegehalt angepasst werden.

  

Maßnahmen um Hitzestess zu vermeiden

 

Wasser für Milchkühe

Um dem Hitzestress entgegen zu wirken, sind mehrere Maßnahmen zu ergreifen. Das Ziel dabei ist es, die Kühe komfortabel und kühl unterzubringen. Zu empfehlende Maßnahmen sind:

  • für ausreichend Schatten sorgen
  • jederzeit auf eine adäquate Tränkwasser-versorgung achten – ausreichend kühles, sauberes Wasser (v.a. in der Nähe des Melkstandes und des Futterplatzes)
  • Anbringung von Ventilatoren und Sprinkleranlagen
  • Fliegenbekämpfung
  • Vermeidung von Aufregungen
  • Fütterung anpassen

 

Technische Hilfsmittel schaffen Abkühlung

Das Ziel bei der Verwendung von Ventilatoren ist es, für eine vermehrte Luftzirkulation zu sorgen, ohne dass dabei Zugluft entsteht. Zudem kann eine Beregnung, welche zur Entstehung von Verdunstungskälte führt, dazu beitragen, einen optimalen Kühleffekt zu erreichen. Bei der Verwendung von Sprinkleranlagen ist darauf zu achten, dass zum einen das Futter oder der Liegebereich nicht feucht werden. Zum anderen ist auf die Tropfengröße zu achten (je kleiner, desto effektiver). Zudem sollen die Tiere nicht im Wasser stehen und auch das Euter sollte aufgrund der Infektionsgefahr nicht nass werden.


Aufregung und Stress durch beispielsweise Treiben, Transporte oder nicht ausreichendes Platzangebot sollten vermieden werden.

 

Möglichkeiten der Rationsgestaltung zur Verbesserung des Tierwohls

Bei der Rationsgestaltung ist darauf zu achten, dass die Energiedichte erhöht wird, um die verringerte Futteraufnahme zu kompensieren. Gleichzeitig sollte auf einen ausreichenden Strukturgehalt der Ration geachtet werden. Des Weiteren können Puffersubstanzen eingesetzt werden, um die reduzierte Wiederkautätigkeit und die vermehrte Speichelbildung auszugleichen. Außerdem ist eine Zugabe von zusätzlichen Mineralien zu empfehlen, da die Tiere über den Schweiß viele Elektrolyte ausscheiden. 
Schließlich ist es ratsam, das Futter häufiger heranzuschieben, um die Tiere zu wiederholter Futteraufnahme zu locken.


 

Verwendete Literaturquellen

  • Dirksen G, Gründer HD, Stöber M. Innere Medizin und Chirurgie des Rindes. 5. Auflage. Stuttgart: Parey Verlag; 2006.

  • Heinrichs J. The effects of heat stress on the high producing dairy cow [Internet]. 2012 [zitiert 23.03.2013]. Zu finden unter: http://de.slideshare.net/jonescoleen/the-effects-of-heat-stress-on-the-nutrition-of-the-dairy-cow

  • Wolfenson D, Flamenbaum I, Berman A. Hyperthermia and body energy store effects on estrous behaviour, conception rate, and corpus luteum function in dairy cows. J Dairy Sci 1988; 71: 3497-3504. 

 

  

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